Gehaltsverhandlung beim Jobwechsel: So holst du als Fach- oder Führungskraft mehr raus

Die größte Gehaltserhöhung deiner Karriere bekommst du selten von deinem aktuellen Arbeitgeber. Sie entsteht meist in dem Moment, in dem du den Arbeitgeber wechselst. Dann wird dein Gehalt nicht um ein paar Prozent angepasst, sondern komplett neu verhandelt.

Genau deshalb lohnt sich eine gute Vorbereitung. Wer beim Jobwechsel unter Wert einsteigt, schleppt diesen Nachteil jahrelang mit, weil jede spätere Erhöhung auf dem Startgehalt aufbaut. In diesem Artikel erfährst du, wie viel mehr realistisch ist, welche Argumente in der Gehaltsverhandlung zählen, welche Fehler dich Geld kosten und warum du besser verhandelst, wenn das Unternehmen auf dich zukommt.

Gehaltserhöhung: Wie viel ist beim Jobwechsel realistisch?

Beim Jobwechsel liegt der Sprung deutlich höher als bei einer jährlichen Anpassung im bestehenden Job. Das zeigen aktuelle Zahlen aus Österreich:

SituationTypisches PlusQuelle
Kollektivvertragliche Erhöhung 2026 (Beispiel Metaller, Ist-Löhne)+1,8 %VOL.AT, 24.10.2025
Fairer Marktwert laut Beschäftigten (Median, über dem aktuellen Gehalt)+16 %Stepstone-Gehaltsbefragung 2026
Erwartetes Plus beim Jobwechsel (Durchschnitt, Q1 2026)+22 %Arbeitsmarkt-Kompass, Leadersnet/Marketagent

Auf die Frage „Gehaltserhöhung – wie viel?“ gibt es also zwei Antworten. Im bestehenden Job sind meist ein paar Prozent über dem KV drin. Beim Wechsel sind 10 bis 20 % ein realistischer Rahmen, bei gefragten Profilen auch mehr. Die Erwartungen sind zuletzt aber gesunken: 2023 lag das erwartete Plus noch bei rund 29 %, heute bei 22 %.

55 % der Beschäftigten in Österreich fühlen sich unterbezahlt, und für 60 % ist mehr Geld der Hauptgrund für einen Wechsel (Stepstone 2026). Der Jobwechsel ist für viele also die wirksamste Gehaltsverhandlung.

Regionaler Blick: Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Liechtenstein. Der österreichweite Median liegt bei 38.043 Euro brutto im Jahr, bei ganzjähriger Vollzeit bei 55.678 Euro (Statistik Austria 2024, AMS). Im Vorarlberger Rheintal kommt die Nähe zu Liechtenstein und der Schweiz dazu: In Liechtenstein lag der Medianlohn schon 2022 bei 7.042 Franken brutto im Monat (Liechtenstein Business). Viele Unternehmen in Vorarlberg konkurrieren deshalb mit Arbeitgebern jenseits der Grenze um dieselben Fachkräfte. Das stärkt deine Position. In Tirol und Salzburg hängt das Niveau stark von der Branche ab: Industrie und Technik zahlen anders als Tourismus. Einen Überblick über Branchen und Gehälter findest du in unserem Artikel Jobs in Vorarlberg: Branchen, Chancen & Gehälter, offene Positionen unter Jobs in Vorarlberg, Jobs in Tirol und Jobs in Salzburg.

Vorbereitung: Kenne deinen Marktwert, bevor du eine Zahl nennst

In Österreich verhandelst du nicht im luftleeren Raum. Vier Punkte solltest du klären, bevor du ins Gespräch gehst:

  1. Kollektivvertrag prüfen. Der KV legt das Mindestgehalt für deine Einstufung fest. Alles darüber ist Überzahlung, und genau darüber verhandelst du. Steht im Inserat „Bereitschaft zur Überzahlung“, ist das eine Einladung zur Verhandlung, kein fixer Betrag.
  2. Jahresgehalt statt Monatsgehalt rechnen. In Österreich bekommst du in der Regel 14 Gehälter. Vergleiche Angebote immer auf das Jahresbrutto, sonst unterschätzt du die Differenz. Bei einem Wechsel nach Liechtenstein oder in die Schweiz gelten andere Regeln (meist 12 oder 13 Gehälter, Franken, eigene Sozialversicherung).
  3. Marktwert recherchieren. Nutze Gehaltsrechner, Gehaltsangaben in Stelleninseraten deiner Region und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche. Für Fach- und Führungskräfte zählt vor allem, was vergleichbare Positionen in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zahlen, nicht der österreichweite Durchschnitt.
  4. Gesamtpaket bewerten. Bonus, Firmenauto, Homeoffice-Tage, Weiterbildungsbudget, zusätzliche Urlaubstage oder ein kürzerer Arbeitsweg haben einen echten Geldwert. Auch die Arbeitsbelastung gehört in die Rechnung. Ein höheres Gehalt bei deutlich mehr Stress ist nicht automatisch ein Gewinn (mehr dazu im Artikel zur Arbeitsbelastung).

Lege dir am Ende drei Zahlen zurecht: dein Wunschgehalt (ambitioniert, aber begründbar), dein Zielgehalt (realistisch) und deine Untergrenze (darunter wechselst du nicht). Und sorge dafür, dass dein Profil und Lebenslauf deine Erfolge zeigen, nicht nur deine Aufgaben. Typische Stolpersteine findest du in unserem Artikel zu den Fehlern im Lebenslauf.

Argumente in der Gehaltsverhandlung: Was für Fach- und Führungskräfte zählt

Gute Argumente in der Gehaltsverhandlung drehen sich um den Nutzen für das neue Unternehmen, nicht um deine Ausgaben. „Meine Miete ist gestiegen“ überzeugt niemanden. „Ich habe die Ausschussquote um 12 % gesenkt“ schon.

  • Messbare Ergebnisse: Umsatz, Einsparungen, verkürzte Durchlaufzeiten, erfolgreiche Projekte. Je konkreter die Zahl, desto stärker das Argument.
  • Spezialwissen, das schwer zu finden ist: Zertifizierungen, Software- oder Maschinenkenntnisse, Branchenerfahrung. In Vorarlberg und Tirol sind Technik, Elektro, Maschinenbau und Finanzen besonders umkämpft.
  • Führungsverantwortung: Anzahl Mitarbeitende, Budget, Standorte. Wer als Führungskraft wechselt, verhandelt nicht nur das Gehalt, sondern auch Bonusregeln und Entscheidungsspielraum.
  • Was du aufgibst: Bonus, Firmenauto, Dienstalter, eine laufende Gehaltserhöhung. Beim Jobwechsel ist das ein legitimes Argument: Der neue Arbeitgeber muss diese Verluste ausgleichen, damit sich der Wechsel für dich lohnt.
  • Einarbeitungszeit: Wer schnell produktiv ist, spart dem Unternehmen Geld. Zeige, welche Aufgaben du ab Tag eins übernehmen kannst.
  • Alternativen: Ein zweites Angebot oder Gespräche mit anderen Unternehmen stärken deine Position. Erwähne sie sachlich, nicht als Drohung.

Wenn das Unternehmen auf dich zukommt: Deine stärkste Verhandlungsposition

Wie du an ein Jobangebot kommst, beeinflusst, wie gut du verhandeln kannst. Bewirbst du dich auf eine ausgeschriebene Stelle, konkurrierst du mit vielen anderen. Das Unternehmen vergleicht und hat die Wahl.

Kommt das Unternehmen dagegen auf dich zu, dreht sich die Situation um. Es hat dein Profil gesehen, will dich überzeugen und muss dir einen Grund zum Wechseln geben. Du bist nicht auf der Suche, sondern wirst gesucht. Das macht einen spürbaren Unterschied am Verhandlungstisch.

Genau so funktioniert Workenda: Du erstellst ein Profil, und Unternehmen aus Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Liechtenstein melden sich mit konkreten Angeboten bei dir. Viele dieser Positionen werden nie öffentlich ausgeschrieben, sie gehören zum verdeckten Stellenmarkt. Wie das im Detail abläuft, liest du in Jobangebote ganz ohne Bewerbung.

So nutzt du diese Position in der Gehaltsverhandlung:

  • Lass das Unternehmen die erste Zahl nennen. Wer aktiv auf dich zugeht, hat meist schon ein Budget. Frage danach, bevor du deine Vorstellung nennst.
  • Bleib in deinem aktuellen Job, bis du unterschrieben hast. Du verhandelst aus einer sicheren Position heraus und musst kein Angebot annehmen, das nicht passt.
  • Nutze den anonymen Profilmodus. Bei Workenda bleibt dein Profil anonym, bis du einer Kontaktanfrage zustimmst. So erfährt dein aktueller Arbeitgeber nichts von deiner Suche.
  • Vergleiche mehrere Angebote. Wenn sich mehrere Unternehmen melden, siehst du schnell, was der Markt für dein Profil wirklich zahlt.

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Die 7 häufigsten Fehler in der Gehaltsverhandlung

  1. Das aktuelle Gehalt als Maßstab nehmen. Wer nur „etwas mehr als jetzt“ verlangt, bleibt oft unter seinem Marktwert. Verhandle auf Basis der neuen Position, nicht deiner alten.
  2. Monats- statt Jahresgehalt vergleichen. 14 Gehälter, Bonus und Zulagen machen schnell mehrere tausend Euro Unterschied.
  3. Eine Spanne nennen, deren unteres Ende zu tief ist. Wer „60.000 bis 65.000“ sagt, bekommt meist 60.000. Setze die Spanne so, dass schon das untere Ende für dich passt.
  4. Zu früh eine Zahl nennen. Kläre zuerst Aufgaben, Verantwortung und Erwartungen. Erst dann weißt du, was die Position wert ist.
  5. Das erste Angebot sofort annehmen. Fast jedes Angebot hat Spielraum. Ein freundliches „Danke, ich würde gerne über das Fixgehalt sprechen“ ist üblich und wird erwartet.
  6. Nur über Geld reden. Wenn das Fixgehalt ausgereizt ist, sind Bonus, zusätzliche Urlaubstage, Homeoffice oder ein fixes Gehaltsgespräch nach der Probezeit oft noch verhandelbar.
  7. Ohne schriftliche Bestätigung kündigen. Kündige deinen aktuellen Job erst, wenn der neue Dienstvertrag mit dem vereinbarten Gehalt unterschrieben ist.

Gehaltsverhandlung Tipps: So läuft das Gespräch ab

Die Gehaltsverhandlung beim Jobwechsel läuft meist in drei Schritten ab:

  1. Erstes Gespräch: Das Unternehmen fragt nach deiner Gehaltsvorstellung. Wenn möglich, frag zurück, welches Budget für die Position vorgesehen ist.
  2. Konkrete Zahl: Nenne dein Wunschgehalt als Jahresbrutto und begründe es kurz mit Erfahrung und Ergebnissen.
  3. Angebot und Nachverhandlung: Prüfe das schriftliche Angebot in Ruhe und verhandle offene Punkte gezielt nach.

Formulierungen, die funktionieren:

  • „Bevor ich eine Zahl nenne: Welchen Rahmen haben Sie für diese Position vorgesehen?“
  • „Aufgrund meiner Erfahrung in [Bereich] und der Verantwortung für [Team/Budget] sehe ich mein Jahresbrutto bei [Betrag].“
  • „Ich verzichte bei einem Wechsel auf [Bonus/Firmenauto]. Das sollte sich im Paket widerspiegeln.“
  • „Das Angebot gefällt mir. Beim Fixgehalt sehe ich noch etwas Spielraum. Können wir uns bei [Betrag] treffen?“

Checkliste vor dem Gespräch:

  • KV und Einstufung der neuen Position geprüft
  • Marktwert für die Region recherchiert
  • Wunschgehalt, Zielgehalt und Untergrenze als Jahresbrutto festgelegt
  • Drei messbare Erfolge als Argumente vorbereitet
  • Liste, was du beim Wechsel aufgibst (Bonus, Auto, Benefits)
  • Nicht-monetäre Wünsche notiert (Homeoffice, Urlaub, Weiterbildung)
  • Aktuellen Job erst nach unterschriebenem Vertrag kündigen

FAQ zur Gehaltsverhandlung beim Jobwechsel

Wie viel mehr Gehalt kann ich beim Jobwechsel verlangen?
In Österreich erwarten Beschäftigte beim Wechsel im Schnitt 22 % mehr. Realistisch sind meist 10 bis 20 %, bei gefragten Fach- und Führungskräften auch mehr.

Soll ich mein aktuelles Gehalt nennen?
Du musst nicht. Besser: Nenne deine Gehaltsvorstellung für die neue Position und begründe sie mit deinem Marktwert.

Was ist, wenn das Angebot unter meiner Vorstellung liegt?
Frag nach Spielraum beim Fixgehalt und verhandle zusätzlich Bonus, Urlaub oder ein Gehaltsgespräch nach der Probezeit. Liegt es unter deiner Untergrenze, ist ein Nein legitim.

Lohnt sich ein Wechsel nach Liechtenstein?
Die Löhne sind höher, aber Steuern, Sozialversicherung, Pendelzeit und Währung müssen mitgerechnet werden. Vergleiche immer das Netto im Jahr.

Aktuelle Positionen jenseits der Grenze findest du unter Jobs in Liechtenstein.

Fazit

Der Jobwechsel ist der beste Moment, um dein Gehalt deutlich zu steigern. Kenne deinen Marktwert, rechne in Jahresbrutto, bring messbare Argumente und vermeide die typischen Fehler. Am stärksten verhandelst du, wenn ein Unternehmen auf dich zukommt und dich überzeugen will.

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Quellen

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